22.07.2026
10 Jahre nach dem rassistischen und rechtsextremen OEZ-Anschlag
Köln, 22.07.2026Wir gedenken:Armela Segashi (14 Jahre), Can Leyla (14 Jahre), Hüseyin Dayıcık
(17 Jahre), Dijamant Zabërgja (20 Jahre), Guiliano Kollmann (19 Jahre), Janos
Roberto Rafael (15 Jahre), Sabina Sulaj (14 Jahre), Selçuk Kılıç (15 Jahre) und
Sevda Dağ (45 Jahre).Am 22. Juli 2016 wurden am und im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in
München neun überwiegend junge Menschen aus rassistischen und rechtsextremen
Motiven ermordet. Weitere Menschen wurden von dem 18-jährigen Attentäter
verletzt. Die Opfer wurden ausgewählt, weil der Täter sie als migrantisch bzw.
südländisch wahrnahm. Sieben der Opfer waren Muslime, zwei gehörten den Sinti
und Roma an.Der 18-jährige Attentäter beschaffte sich mehrere Wochen vor der
Tat eine Pistole und Munition aus dem Darknet. Durch einen Facebook-Eintrag
unter falschem Namen lud er Jugendliche zu einem Treffen in ein
Fast-Food-Restaurant in der Nähe des OEZ ein und lockte sie somit gezielt in
eine Falle. Auf der Toilette des Restaurants zog er seine Waffe und ging
anschließend in den Sitzbereich, wo er die ersten Schüsse abfeuerte. Dort
wurden Armela Segashi, Can Leyla, Janos Roberto Rafael, Sabina Sulaj und Selçuk
Kılıç tödlich getroffen. Der Täter verließ anschließend das Restaurant und
schoss weiter auf Passanten in der Nähe des OEZ. Dabei starben an verschiedenen
Orten Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık und Sevda Dağ.Der Täter erschoss sich selbst, als er von der Polizei gestellt
wurde. Nach den Ermittlungen wurde die Tat zunächst als Amoklauf und nicht als
rechtsextremer und rassistischer Anschlag eingestuft. Es sollte bis zum 25.
Oktober 2019 – also mehr als drei Jahre – dauern, bis eine Neubewertung der Tat
und ihre Einstufung als rechtsextrem motivierter Anschlag erfolgten.Bekannt war über den 18-jährigen Täter, dass er psychische
Probleme hatte und während seiner Schulzeit gemobbt wurde. Die
Sicherheitsbehörden gingen deshalb von einem unpolitischen Racheakt aus. Die
Hinterbliebenen und die Opferanwälte kritisierten diese Einordnung, denn die
Tat fiel auf den fünften Jahrestag des rechtsextremen Attentats von Anders
Breivik in Norwegen. Für die Familien stand aufgrund der Opferauswahl bereits
früh fest, dass es sich um einen rassistischen und rechtsextremen Anschlag handelte.
Ihre Stimmen wurden jedoch nicht gehört. Erst nach mehreren Gutachten und mehr
als drei Jahren änderte das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) seine
Einschätzung und stufte die Tat als politisch motivierte rechtsextreme Straftat
ein.Die Diskussion um die begriffliche Einordnung der Tat zeigt
jedoch, wie schwer sich staatliche Stellen lange Zeit mit der Anerkennung des
rassistischen Tatmotivs taten. Auf dem Computer des Attentäters befanden sich
zahlreiche Texte über seine Mobbingerfahrungen sowie rechtsextremes und
rassistisches Gedankengut. In seinem eigenen Manifest bezeichnete der
Attentäter Migranten als „ausländische Untermenschen“ und drohte Gewalt und
Exekutionen an.Die Fehleinschätzung der Sicherheitsbehörden verletzte die
Hinterbliebenen zutiefst und erschütterte auch ihr Vertrauen in Polizei und
Sicherheitsbehörden. Das erste OEZ-Mahnmal trug die Inschrift „In Erinnerung an
alle Opfer des Amoklaufs vom 22.07.2016“. Erst im Herbst 2020 wurde die
Inschrift in „In Erinnerung an alle Opfer des rassistischen Attentats vom
22.07.2016“ geändert. Die Hinterbliebenen kämpfen bis heute um eine angemessene
Erinnerungskultur und ein würdiges Gedenken. Die Änderung der Inschrift war ein
wichtiger Schritt für die Familien.Ein solcher Anschlag zeigt, wie zerstörerisch rassistisches und
rechtsextremes Gedankengut ist. Seine Bekämpfung sollte insbesondere nach
weiteren rassistischen und rechtsextremen Anschlägen in Halle und Hanau höchste
Priorität haben. Nichts legitimiert die Ermordung von Menschen. Der DITIB
Bundesverband appelliert an die Politik, Rechtsextremismus und Rassismus als
ernste Gefahren anzuerkennen und ihnen auf allen gesellschaftlichen und
politischen Ebenen entschieden entgegenzutreten. Die Menschenwürde ist nicht
verhandelbar und gilt für alle Menschen – unabhängig von ihrer ethnischen
Herkunft oder ihrer religiösen Überzeugung.Wir erbitten Gottes Barmherzigkeit für die Opfer. Den
Hinterbliebenen wünschen wir Kraft, Trost und Standhaftigkeit. Ihr Schmerz
bleibt auch zehn Jahre nach der Tat Teil unserer gemeinsamen Verantwortung, das
Erinnern wachzuhalten und jeder Form von Rassismus und Menschenfeindlichkeit
entschieden entgegenzutreten.